PUBLIC PREVENTION - Die Nominierten 2012

Aus den eingereichten Bewerbungen hat die Expertenjury der jeweiligen Kategorie die preiswürdigsten Projekte für die Shortlist ausgewählt.
Die Nominierten in der Kategorie Public Prevention lauten 2012:

1) Christa Stegmaier, Bernd Holleczeck, Epidemiologisches Krebsregister Saarland: „Mobil gegen Darmkrebs im Saarland"

 Christa Stegmaier

 Bernd Holleczek

Bereits seit 2003 führen das Saarländische Gesundheitsministerium und das Epidemiologische Krebsregister des Landes jährlich hochprofessionelle und wissenschaftlich begleitete Darmkrebskampagnen durch. 2011 wurde dabei erstmals ein Linienbus als mobiler, ganzjähriger Werbeträger für die Darmkrebsvorsorge eingesetzt. Der Bus wurde im Rahmen einer Pressekonferenz zum Anlass des Darmkrebsmonats März in Betrieb genommen und wird seither, neben dem Linienverkehr, auch regelmäßig als „Beratungsbus" bei Gesundheitsaktionen eingesetzt. Die Jury überzeugte die kontinuierliche und hochprofessionelle Präventionsarbeit im Saarland. Im Einsatz des bedruckten Busses als mobiler Werbeträger für die Vermittlung der Präventionsbotschaft sieht die Jury eine Vorbildfunktion für andere Städte und Regionen. Der Bus zieht deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich als die üblicherweise eingesetzten Beratungsstände und Werbeträger. Die Kosten-Nutzen-Relation der Maßnahme ist sehr gut und die Idee ist beliebig replizierbar. Mit ihrer Nominierung würdigt die Jury deshalb insbesondere die Innovationskraft und den Modellcharakter dieser Maßnahme.

 

2) Dr. Dominik Stähler, Dr. Kai Severin, Prof. Dr. Christian Krieglstein, PD Dr. Marcel Reiser, Prof. Dr. Dr. Tobias Beckurts, Darmzentrum Köln e.V.: „Kölner gegen Darmkrebs."

 

v.l.n.r.: Dr. Dominik Stähler,
Prof. Dr. Dr. Tobias Beckurts, 
Dr. Kai Severin und Prof. Dr. Christian  Krieglstein

Unter der Schirmherrschaft der engagierten Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes führte das Darmzentrum Köln e.V., dem ca. 50 Gastroenterologen, Chirurgen und Onkologen aus Klinik und Praxis in der Region Köln angehören, vom 19. bis zum 31. März 2011 eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto "KÖLNER-GEGEN-DARMKREBS - Nicht verdrängen - früh erkennen!" durch. Im Aktionszeitraum wurden zahlreiche öffentlichkeitswirksame Maßnahmen durchgeführt. Neben einer an Ärzte gerichteten Auftaktveranstaltung mit Fachvorträgen zu Prävention und Therapie von Darmkrebs fand auf dem Severinskirchplatz in der Kölner Südstadt eine an das allgemeine Publikum gerichtete open-air Infotainment-Veranstaltung zur Darmkrebsfrüherkennung statt. Ein begehbares Darmmodell konnte besichtigt werden, Betroffene und Prominente kamen zu Wort und es beteiligten sich verschiedene bekannte Kölner Künstler. Auch das Maskottchen des 1. FC Köln Geißbock Hennes VIII war mit von der Partie. An weiteren Terminen fand ein Kinoabend mit Get-together für medizinisches Personal und eine große Abschlussveranstaltung inklusive Talk-Runde mit prominenten Betroffenen und Ärzten statt, die von der ARD-Morgenmagazin-Moderatorin Julitta Münch moderiert wurde. Ein weiteres Highlight war der bekannte Kölner Sternekoch Patrik Jaros, der Ernährungstipps gab und kochte.
Unterstützt wurde die Gesamtaktion durch eine umfangreiche und professionelle Marketing­kommunikation unter Einbindung verschiedener Medien und Kanäle wie Postwurfsendungen, Flyern, Großplakatwände, Taxi- und Straßenbahnwerbung sowie Litfaßsäulen. Die Jury zeigte sich beeindruckt von dem positiven Geist und der Kosteneffizienz der Gesamtaktion, der reichen Vielfalt der Einzelaktionen, dem großen Einsatz sowie der hochprofessionalisierten Organisation und Durchführung und nominiert diese beispielhaft konzertierte Stadtaktion für den Felix Burda Award.

 

3) Dr. Margret Schrader, Krebsgesellschaft NRW e.V. und Dr. Rüdiger Meierjürgen, Barmer GEK: „1000 Mutige Männer" - Pilotprojekt „1000 Mutige Männer für Mönchengladbach" 2010 und Anschlussprojekt „1000 Mutige Männer für Lippstadt" 2011

 Dr. Margret Schrader

Dr. Rüdiger Meierjürgen

„1000 mutige Männer" ist ein innovatives Netzwerk-, Kommunikations- und Marketingkonzept um das Thema Darmspiegelung aus der Tabuzone zu holen. Es richtet sich gezielt an Männer ab 55 Jahre, die im Geschlechtervergleich besonders schwer zur Darmkrebsvorsorge zu motivieren sind. 2010 haben die Krebsgesellschaft NRW und die Barmer GEK das gemeinsame Pilotprojekt in der Stadt Mönchengladbach durchgeführt. Insgesamt haben knapp 900 anspruchsberechtigte Männer an dem Projekt teilgenommen und sind zur Darmspiegelung gegangen. Im Jahresvergleich ist in Folge der Kampagne ein Anstieg der Vorsorgekoloskopien nachgewiesen.
Die Kampagne basiert auf einem innovativen, strukturübergreifenden Ansatz des Sozialen Marketings. Das Projekt bietet „Mutigen Männern", die zur Darmspiegelung gegangen sind, die Plattform ihren Mut im Stadtgeschehen öffentlich zu präsentieren. Sie werden zu Vorreitern und motivieren andere Männer, Freunde, Arbeitskollegen und Verwandte zur Darmspiegelung zu gehen. Als Basis für die Entwicklung der effektiven Kommunikationsstrategien des Projekts wurde umfangreiche Marktforschung betrieben. Das Ziel, Männer ab 55 Jahre zur Darmspiegelung zu motivieren, wird darüber hinaus durch eine flächendeckende Beteiligung und Unterstützung wichtiger Stadtakteure wie z.B. Ärzte, Unternehmen, Bürgermeister, Prominente, Schützenvereine oder Fußballclubs unterstützt. Über soziale Netzwerke dringt das Thema „Darmspiegelung" so in alle Lebensbereiche vor und wird im Rahmen des Projektes zu einem Stadtanliegen und zum Stadtgespräch. 2012 wird die Kampagne in Hessen, Hamburg und weiteren Städten in NRW adaptiert.
Die Jury hob bei ihrer Nominierung insbesondere die große Effizienz, die Innovation und die sehr gute Evaluation der Kampagne hervor. Die Nachhaltigkeit dieses Modell-Konzepts für städtische Präventionskampagnen sei beispielhaft.